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Verwirrung um das Urnäscher Wappen

Hans Hürlemann

Der Heraldiker Jakob Signer schlug 1916 ein Urnäscher Wappen vor, das es vorher noch gar nicht gegeben hatte. Der Anlass dazu war der Neubau des Rathauses in Herisau von 1914, in dem sämtliche Gemeinden mit ihren Wappen in den Fensterscheiben des Kantonsratssaals aufgenommen wurden. Signer beschreibt das Wappen so:
«In Silber ein querlaufender Fluss; darüber ein auf allen Vieren gehender schwarzer Bär (Vorschlag)»

Er fasst in der Begründung die Geschichte des Dorfes kurz zusammen und erwähnt, dass Urnäsch, genauso wie Teufen und Gais, vor der Landteilung von 1497 kein eigenes Siegel hatten. Das sei deshalb erstaunlich, weil Urnäsch bei der Aufzählung der Gemeinden bis in die neuste Zeit immer zuerst erwähnt wurde, «an der Landsgemeinde stets die erste Stimme und Anfrag» hatte und als erste Gemeinde im Lande angesehen wurde. Nach der landläufigen Begründung hängt das mit dem überdurchschnittlichen Einsatz der Urnäscher in den Freiheitskriegen zusammen. Herisau, Hundwil und Trogen hatten bereits vorher ein Wahrzeichen mit einem aufrechten Bären, während Appenzell als Reichsländlein den Bären auf allen Vieren führte. Urnäsch war zwar eine eigene Rhode, gehörte aber zum Meieramt Hundwil und habe sich unter das Siegel von Appenzell gebunden, schreibt Signer. Darum sei es sinnvoll, dass das vorgeschlagene Urnäscher Wappen einen Bären auf allen Vieren zeige. Signer kannte offenbar die ältesten Urnäscher Wappendarstellungen nicht. Dort, im 17. Jahrhundert, steht der Bär aufrecht heraldisch nach rechts schreitend, meist vor einem Wellenband. Das älteste, allerdings beschädigte Siegel dieser Art kommt vor an einem Wasserrechtsbrief von 1696  . Dort siegelt Statthalter Jacob Mettler mit «der ersamen Gemeind und Kilchhörj Urnäschen eigen ihme anvertrauwt Insigell». Signer war nur eine Darstellung des aufrechten Bären vor dem Wellenstrom aus dem Jahre 1820 bekannt. Weil diese relativ neue Darstellung dem heraldischen Grundsatz widerspricht, dass nicht Farbe auf Farbe liegen dürfe (schwarz auf blau), schlug er den auf allen Vieren gehenden Bären über dem Wellenband vor. Und so ist das falsche Wappen im Kantonsratssaal geblieben. In Herisau prangt es auch an einer Hauswand im oberen Teil der Schmiedgasse, in Urnäsch kommt es an der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie und in einer Glasscheibe im Restaurant Sonne vor.

  Heutiges Wappen
Heutiges Wappen


An der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie ist der Vorschlag von Jakob Signer übernommen worden
An der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie ist der Vorschlag von Jakob Signer übernommen worden


Auf Verträgen des frühen 18. Jahrhunderts findet man bereits das Papiersiegel mit dem aufrechten Bären hinter dem Wellenband.
Auf Verträgen des frühen 18. Jahrhunderts findet man bereits das Papiersiegel mit dem aufrechten Bären hinter dem Wellenband.


Johann Ulrich Fitzi hat 1834 die Inschriften auf den Kirchenglocken von 1642 festgehalten. Zwischen dem Alder- und Frehnerwappen ist das von einem Engel gehaltene Urnäscher Wappen nur undeutlich zu erkennen. Es zeigt den aufrechten Bären, aber kein Wellenband.
Johann Ulrich Fitzi hat 1834 die Inschriften auf den Kirchenglocken von 1642 festgehalten. Zwischen dem Alder- und Frehnerwappen ist das von einem Engel gehaltene Urnäscher Wappen nur undeutlich zu erkennen. Es zeigt den aufrechten Bären, aber kein Wellenband.


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