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Geschichte von Urnäsch

 


Geschichtsbuch

Nach einem kurzen chronologischen Überblick für eilige Leser folgen drei Kapitel von aussenstehenden Spezialisten über die Entstehung der Landschaft, die Pflanzen- und Tierwelt und die Beziehungen Urnäschs im Mittelalter zum Kloster St. Gallen. Anschliessend werden die Leserinnen und Leser zu einem Spaziergang durch das Brauchtumsjahr eingeladen.

Urnäsch ist weitherum berühmt geworden durch seine einzigartige Vielfalt von Bräuchen, und deshalb bestimmt der Brauchtumskalender jeweils das Thema, nachdem der Brauch selbst geschildert worden ist. So wird beim Silvesterchlausen der Streit um die Kalenderreform behandelt, beim Bloch geht es um Wald, Holz und Wasser und beim Thema Kirchhöri um die religiöse und politische Entwicklung. Handwerk, Gewerbe, Industrie und die Erschliessung des Dorfes werden ebenso behandelt wie die medizinische Versorgung, die Geschichte der Schulbildung und die Entwicklung der Bevölkerung. Von Zeit zu Zeit werden sozusagen als Aperitif kursiv gedruckte kleine Geschichten mit seltsamen und lustigen Ereignissen eingestreut, die den Appetit auf das folgende Thema anregen sollen. Bisher unbekannte Akten aus dem reichen Gemeindearchiv sind die wichtigsten Quellen für die spannenden Geschichten aus dem Urnäscher Alltag vergangener Zeiten.

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Geschichte

Der Name Urnäsch wird bereits im 9. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt, damals allerdings noch für den Fluss «Urnasca», der dem Dorf den Namen gegeben hat. Der Weiler Färchen wird in einer Schenkungsurkunde 831 als «Farrichun» bezeichnet. Unter der Herrschaft der Abtei St.Gallen bildete Urnäsch zuerst mit Herisau einen Verwaltungsbezirk und war im 14. Jahrhundert eine Rhode des Amtes Hundwil. 1377 trat es als eines der «Lendlin» dem Bund mit der Stadt St.Gallen bei und tat sich in den Appenzeller Kriegen von 1401 bis 1429 derart hervor, dass die Rhode Urnäsch in Zukunft bei der Aufzählung der Gemeinden an erster Stelle genannt wurde. 1417 erhielt Urnäsch die endgültige politische und kirchliche Selbstständigkeit nach dem Bau der Kirche im Jahre 1414. 1480 wurden die Grenze zu Hundwil bereinigt. Seither gehört die Schwägalp zu Hundwil. 1525 traten die Urnäscher über zur Reformation und gehören darum seit der Landteilung von 1597 als erste der sechs äusseren Rhoden zum Land, später Kanton Appenzell Ausserrhoden.

 


Beim Dorfbrand von 1641 gingen Kirche, Pfarr- und Rathaus und zwölf weitere Häuser in Flammen auf. 1720 wurde in Schönengrund eine eigene Kirche gebaut und 1722 wurde in einem Vertrag die Abtrennung des Gebietes hinter dem Hamm von Urnäsch besiegelt. 1912 wurde die römisch-katholische Pfarrei Urnäsch-Hundwil gegründet mit einer Kirche in Zürchersmühle.

 
Neben der Textilindustrie spielen Alp- und Vieh-, sowie Forstwirtschaft seit je eine herausragende Rolle. Schon 1592 ist ein Jahrmarkt nachgewiesen. Bis 1825 gab es ein grosses Gemeinmerk, eine Allmend, der Urnäsch entlang vom Kronbach bis zur Schwizeren. Bis ins 19. Jahrhundert wurde Salpeter gesotten, unter anderem für die Herstellung von Schiesspulver. Die Köhlerei spielte bis ins 20. Jahrhundert eine allerdings allmählich abnehmende Rolle. Seit 1515 ist die Herstellung von Leinwandtuch bezeugt, 1604 der Flachsanbau.

 
Weberei und Stickerei prägten vor allem im 19. Jahrhundert die Gemeinde. Die industrielle Entwicklung wurde durch die Erföffnung der Appenzellerbahn 1875 gefördert. Ende des 20. Jahrhunderts mussten fast alle Zwirnereien, eine Weberei und die Wirkwarenfabriken aufgeben. Seit 1966 bietet aber die Teppichbodenfabrik Tisca-Tiara Arbeitsplätze. Fünf Kleinkraftwerke an der Urnäsch sind von den ehemals viel zahlreicheren Wasserrädern übrig geblieben, die während Jahrhunderten Mühlen, Sägereien und Stampfwerke antrieben. Der Bau der Säntisbahn 1935 förderte den Fremdenverkehr und 1976 wurde das weitherum bekannt gewordene Appenzeller Brauchtumsmuseum eröffnet. 2006 wurde mit dem Bau eines grossen Feriendorfes für die Schweizer Reisekasse Reka begonnen, mit der Absicht, umweltverträglichen, sanften Tourismus zu fördern.

 


Verwirrung um das Urnäscher Wappen

Hans Hürlemann

Der Heraldiker Jakob Signer schlug 1916 ein Urnäscher Wappen vor, das es vorher noch gar nicht gegeben hatte. Der Anlass dazu war der Neubau des Rathauses in Herisau von 1914, in dem sämtliche Gemeinden mit ihren Wappen in den Fensterscheiben des Kantonsratssaals aufgenommen wurden. Signer beschreibt das Wappen so:
«In Silber ein querlaufender Fluss; darüber ein auf allen Vieren gehender schwarzer Bär (Vorschlag)»

Er fasst in der Begründung die Geschichte des Dorfes kurz zusammen und erwähnt, dass Urnäsch, genauso wie Teufen und Gais, vor der Landteilung von 1497 kein eigenes Siegel hatten. Das sei deshalb erstaunlich, weil Urnäsch bei der Aufzählung der Gemeinden bis in die neuste Zeit immer zuerst erwähnt wurde, «an der Landsgemeinde stets die erste Stimme und Anfrag» hatte und als erste Gemeinde im Lande angesehen wurde. Nach der landläufigen Begründung hängt das mit dem überdurchschnittlichen Einsatz der Urnäscher in den Freiheitskriegen zusammen. Herisau, Hundwil und Trogen hatten bereits vorher ein Wahrzeichen mit einem aufrechten Bären, während Appenzell als Reichsländlein den Bären auf allen Vieren führte. Urnäsch war zwar eine eigene Rhode, gehörte aber zum Meieramt Hundwil und habe sich unter das Siegel von Appenzell gebunden, schreibt Signer. Darum sei es sinnvoll, dass das vorgeschlagene Urnäscher Wappen einen Bären auf allen Vieren zeige. Signer kannte offenbar die ältesten Urnäscher Wappendarstellungen nicht. Dort, im 17. Jahrhundert, steht der Bär aufrecht heraldisch nach rechts schreitend, meist vor einem Wellenband. Das älteste, allerdings beschädigte Siegel dieser Art kommt vor an einem Wasserrechtsbrief von 1696  . Dort siegelt Statthalter Jacob Mettler mit «der ersamen Gemeind und Kilchhörj Urnäschen eigen ihme anvertrauwt Insigell». Signer war nur eine Darstellung des aufrechten Bären vor dem Wellenstrom aus dem Jahre 1820 bekannt. Weil diese relativ neue Darstellung dem heraldischen Grundsatz widerspricht, dass nicht Farbe auf Farbe liegen dürfe (schwarz auf blau), schlug er den auf allen Vieren gehenden Bären über dem Wellenband vor. Und so ist das falsche Wappen im Kantonsratssaal geblieben. In Herisau prangt es auch an einer Hauswand im oberen Teil der Schmiedgasse, in Urnäsch kommt es an der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie und in einer Glasscheibe im Restaurant Sonne vor.

  Heutiges Wappen
Heutiges Wappen


An der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie ist der Vorschlag von Jakob Signer übernommen worden
An der Front des ehemaligen Restaurants Harmonie ist der Vorschlag von Jakob Signer übernommen worden


Auf Verträgen des frühen 18. Jahrhunderts findet man bereits das Papiersiegel mit dem aufrechten Bären hinter dem Wellenband.
Auf Verträgen des frühen 18. Jahrhunderts findet man bereits das Papiersiegel mit dem aufrechten Bären hinter dem Wellenband.


Johann Ulrich Fitzi hat 1834 die Inschriften auf den Kirchenglocken von 1642 festgehalten. Zwischen dem Alder- und Frehnerwappen ist das von einem Engel gehaltene Urnäscher Wappen nur undeutlich zu erkennen. Es zeigt den aufrechten Bären, aber kein Wellenband.
Johann Ulrich Fitzi hat 1834 die Inschriften auf den Kirchenglocken von 1642 festgehalten. Zwischen dem Alder- und Frehnerwappen ist das von einem Engel gehaltene Urnäscher Wappen nur undeutlich zu erkennen. Es zeigt den aufrechten Bären, aber kein Wellenband.


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